• Kreisdekanat Steinfurt - Advent TB_Advent-Kerze.jpg
  • Kreisdekanat Steinfurt - Eine Million Sterne TB_1-Mio-Sterne.jpg
  • Kreisdekanat Steinfurt - Friedenslicht TB_Friedenslicht.JPG

Auftakt zum Strukturprozess

Die katholische Kirche im Kreis Steinfurt will zukunftsfähig bleiben und sich strukturell und strategisch neu aufstellen. Erste Vorschläge dazu hat nun Generalvikar Dr. Klaus Winterkamp präsentiert.

Stellten die Vorschläge für die pastoralen Räume im Kreisdekanat Steinfurt mit vor (von links): Stephanie Heckenkamp-Grohs, Ulrich Hörsting, Kreisdechant Dr. Jochen Reidegeld und Generalvikar Dr. Klaus Winterkamp.

Vorschläge für fünf pastorale Räume im Kreisdekanat Steinfurt hat Generalvikar Dr. Klaus Winterkamp am 26. Oktober vorgestellt. In der Aula des Bischöflichen Arnold-Janssen-Gymnasiums (AJG) in Neuenkirchen informierte er rund 100 hauptamtlich Mitarbeitende und ehrenamtlich Engagierte aus den Pfarreien des Kreisdekanates über den Prozess zur Weiterentwicklung pastoraler Strukturen. Die geplanten Seelsorge-Gebiete sollen jeweils mehrere Pfarreien umfassen, verordnete Zusammenlegungen soll es nicht geben.

Im Kreisdekanat Steinfurt sehen die möglichen Pläne für die fünf künftigen pastoralen Räume wie folgt aus: Steinfurt-Ochtrup-Metelen-Horstmar-Laer; Altenberge-Nordwalde-Greven-Saerbeck-Emsdetten; Wettringen-Neuenkirchen-Rheine; Hörstel-Ibbenbüren-Lengerich; Westerkappeln-Mettingen-Recke-Hopsten.

„Pastorale Strukturen müssen so gestaltet sein, dass die Verkündigung des Evangeliums unter veränderten Rahmenbedingungen weiter gut möglich sein wird“, erklärte Winterkamp, der den erkrankten Weihbischof Dr. Christoph Hegge entschuldigte. Dieser Prozess könne nicht losgelöst von inhaltlichen und pastoralen Fragestellungen stattfinden.

Winterkamp machte im Gespräch mit Moderatorin Eva-Maria Jazdzejewski deutlich, dass sich die katholische Kirche den offensichtlichen Herausforderungen stellen müsse: „Was bedeuten die massiven Veränderungsprozesse für uns? – Wie können christliche Gemeinschaft und kirchliches Leben unter den sich wandelnden Rahmenbedingungen dennoch wachsen? – Welche Gestalt von Kirche wird zukunftsfähig sein?“ Beim Bemühen, Antworten zu finden, schließt der Prozess an die pastoralen Orientierungen an, die im Bistum bereits entwickelt worden sind – an den Diözesanpastoralplan, die lokalen Pastoralpläne sowie die Überlegungen zur „Sendung der Kirche“ und zu den Notwendigkeiten, stärker eine Kirche zu sein, die Beziehung stiftet. Zudem werde es eine enge Verknüpfung mit weiteren Veränderungsprozessen geben. Der Generalvikar nannte den Spar- und Strategieprozess, das angedachte Klimaschutzkonzept sowie die Modernisierung der Bistumsverwaltung. 

Winterkamp betonte, dass Bischof Dr. Felix Genn drei Vorgaben für den Strukturprozess gemacht hat: „Es wird keine weiteren, von Bischof Genn verordneten Zusammenlegungen von Pfarreien geben. Das Verhältnis der Diözesanpriester im aktiven Dienst zu den Priestern der Weltkirche in unserem Bistum soll dauerhaft zwei Drittel zu einem Drittel sein. Und es braucht mehr Bereitschaft zur Zusammenarbeit zwischen den Pfarreien sowie zwischen Haupt- und Ehrenamtlichen.“

Der Generalvikar erläuterte Zahlen, Fakten und Prognosen, die den Prozess zur strukturellen Entwicklung notwendig machen: So wird die Katholikenzahl im Bistum bis 2040 von derzeit knapp 1,8 Millionen auf weniger als 1,4 Millionen zurückgehen. Sind es heute im Kreisdekanat Steinfurt noch rund 230.000 Katholiken, so werden es in 20 Jahren wahrscheinlich nur noch knapp 160.000 sein. Im kirchlichen Leben, etwa bei den Gottesdienstbesuchern, Taufen oder Eheschließungen, hat es in den vergangenen Jahren deutliche Rückgänge gegeben. Und die finanziellen Mittel, die dem Bistum insbesondere über Einnahmen aus der Kirchensteuer zur Verfügung stehen, werden in Zukunft spürbar geringer ausfallen. Besonders gravierend sind die Einbrüche beim seelsorglichen Personal: Gibt es derzeit noch rund 1.370 Seelsorgerinnen und Seelsorger – 380 Diözesanpriester im aktiven Dienst, 165 Priester der Weltkirche, 600 Pastoralreferentinnen, Pastoralreferenten und Diakone im Hauptamt sowie 225 Diakone mit Zivilberuf – ,wird diese Zahl bis 2040 auf 500 bis 550 zurückgehen.

„Und bei den Menschen, die freiwillig in der Kirche aktiv sind, sehen wir eine Veränderung hin zu einem zeitlich befristeten, projektbezogenen, klar beschriebenen und nachhaltig sinnstiftenden Engagement“, sagte der Generalvikar. Allgemeine Megatrends verschärften die Notwendigkeit für Veränderungen, ebenso innerkirchliche Missstände und Entwicklungen. Vor allen diesen Hintergründen sei die Überzeugung gewachsen, dass es im Bistum neue sogenannte „Pastorale Räume“ geben müsse. Bistumsleitung und -verwaltung hätten für jedes Kreisdekanat Vorschläge entwickelt. „Das sind ausdrücklich nur Vorschläge. In einem partizipativen Prozess wollen wir von Ihnen hören, was Sie davon halten“, wandte er sich an die Teilnehmenden. Auch inhaltliche Fragen, die damit verbunden sind, seien noch nicht geklärt. Die Beratungs- und Entscheidungsphase im Prozess soll bis April oder Mai 2023 abgeschlossen sein.

Die pastoralen Räume werden nicht Pfarreien, Gemeinden, Einrichtungen oder Verbände ersetzen, versprach der Generalvikar. Die Präsenz der pastoralen Arbeit in der Fläche solle gewährleistet bleiben. Zugleich werde die Seelsorge in größeren Einheiten gestaltet werden müssen. Dabei erfordere ein pastoraler Raum die Bildung größerer Teams, eine Weiterentwicklung der Rollenklärung des pastoralen Personals, mehr Teamarbeit und ein verstärktes Engagement der Freiwilligen. Ziel sei es, die Verantwortung für die Entwicklung der Pastoral vor Ort zu belassen sowie genauer zu schauen, wie dabei eine gute Zusammenarbeit zwischen lokaler und regionaler Ebene gewährleistet werden kann. Zu prüfen sei außerdem, wie pastorale Orte, Einrichtungen und kategoriale Felder der Seelsorge, etwa im Krankenhaus, in der Schule, bei der Caritas und in der Beratung, eingebunden werden können. Bei der Identifizierung der pastoralen Räume würden in der Regel die Kreis- und Kommunalgrenzen ebenso berücksichtigt wie der Stand und die Entwicklung der Katholikenzahl, aber auch regionale Realitäten.

Um im Prozess die Verbindung zwischen den Menschen vor Ort und der Bistumsebene sicherzustellen, gibt es für jedes Kreisdekanat ein Regional-Team. Für das Kreisdekanat Steinfurt bilden Weihbischof Hegge, Ulrich Hörsting, Hauptabteilungsleiter Verwaltung, und Pastoralreferentin Stephanie Heckenkamp-Grohs das Regionalteam.

Nach der Präsentation diskutierten die Teilnehmenden mit den Prozessverantwortlichen, darunter Karl Render, Leiter der Hauptabteilung Seelsorge-Personal, und Maria Bubenitschek, Leiterin der Hauptabteilung Seelsorge, über die inhaltlichen Ausführungen und strukturellen Vorschläge. Dabei kam die Frage auf, warum angesichts der sinkenden Priesterzahlen nicht auch Frauen zur Weihe zugelassen werden und zudem der Zölibat aufgehoben werde? Der Generalvikar setzt bei der Klärung dieser Forderungen nach eigener Aussage auf den sogenannten Synodalen Weg.

Wer Fragen und Anregungen zum Gesamtprozess hat, kann sich  per Mail melden: strukturprozess(at)bistum-muenster.de. Fragen zum Prozess im Kreisdekanat Steinfurt können gerichtet werden an: strukturprozess-st(at)bistum-muenster.de. Weitere Informationen zur Veranstaltung und zum Gesamtprozess gibt es im Internet auf: www.bistum-muenster.de/strukturprozess.


Text/Foto: Bischöfl. Pressestelle
27.10.2021

Matomo