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Einsatz für Flüchtlinge

Kreisdechant Dr. Jochen Reidegeld setzt sich zusammen mit weiteren Initiativen für die Flüchtlinge an der EU-Ostgrenze ein. Seit Wochen spitzt sich dort die Lage zu.

Unaufhaltsam liefen Fatimah die Tränen übers Gesicht. Die 23-Jährige saß im Unterricht und weinte bitterlich. Lehrerin Susanne Imhoff fiel die Verzweiflung ihrer Schülerin auf... Seit Wochen spitzt sich die Lage der Flüchtenden an der Ostgrenze der EU zu. Sie haben nichts zu essen, kein Dach über dem Kopf – und das bei drohendem Frost. Mittendrin Fatimahs Eltern aus Erbil in der autonomen Region Kurdistan, die Schwester und der jüngere Bruder. „Was an der Grenze passiert, ist unterlassene Hilfeleistung, ist Mord“, benutzt Susanne Imhoff, Lehrerin für Deutsch als Fremdsprache an den Technischen Schulen in Steinfurt, drastische Worte. Sie möchte Fatimahs Familie und allen, die festgehalten werden, helfen. Unterstützung bei der Suche nach einer Lösung für die menschenunwürdige Situation bekommt sie vom katholischen Kreisdechanten Dr. Jochen Reidegeld, der sich seit vielen Jahren vor allem für ezidische Flüchtlinge aus Syrien und dem Nordirak einsetzt. Er macht besonders dem belarussischen Machthaber Alexander Lukaschenko schwere Vorwürfe.

„Die Menschen werden zu Schachfiguren in einem zynischen Machtspiel“, erklärt Reidegeld. Unter den Menschen, die angelockt von Lukaschenko im belarussischen Wald an der Grenze zu Polen ausharren, sind auch viele Eziden, weiß der Kreisdechant. Reidegeld gehört zu einer bundesweiten Gruppe, die seit Tagen auf unterschiedlichen Wegen versucht, alle möglichen politischen Kontakte zu nutzen, um humanitäre Hilfe vor Ort zu leisten. Enttäuscht ist er von der katholischen Kirche in Polen, die den harten Kurs der rechtsnationalen Regierung in der Flüchtlingspolitik mitträgt. Unverständlich für den Kreisdechanten, der trotz allem Hoffnung hat, dass sich zumindest kleine Kreise in der Kirche finden, die die Not der Menschen sehen und sie mit Lebensmitteln und wärmenden Decken versorgen. Hilfsorganisationen und auch Journalisten wird der Weg in das Gebiet, wo die Flüchtlinge eingekesselt sind, verweigert.

Dass Europa zu allem schweigt, ist für Jochen Reidegeld ein Skandal und ein Zeichen dafür, dass es in der Politik nicht um Menschlichkeit, sondern vielmehr um wirtschaftliche und strategische Interessen gehe. Die neue Bundesregierung, so der Kreisdechant, müsse sich fragen lassen, ob bei außenpolitischen Positionen künftig die Menschenrechte nicht stärker in den Mittelpunkt gerückt werden müssten.

Durch Fatimahs Familie bekommt das Drama ein Gesicht. Die Betroffenheit im Kreis Steinfurt ist groß. Aber auch die Hilfslosigkeit.


Text/Foto: Bischöfl. Pressestelle
02.11.2021

Matomo