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Kreisdechant Reidegeld zu UN-Sicherheitsrat

Kreisdechant Dr. Jochen Reidegeld kennt die dramatische Situation in den Flüchtlingslagern in Syrien und im Nordirak. Er äußert sich zur aktuellen Entscheidung des UN-Sicherheitsrates.

Bei seinem Aufenthalt in Syrien 2019 war Kreisdechant Dr. Jochen Reidegeld auch auf dem Gefallenenfriedhof in Kobane.

Wäre Bab al-Hawa geschlossen worden, hätte dies eine Katastrophe zur Folge gehabt. „Die humanitäre Hilfe wird hier als Waffe eingesetzt.“ Steinfurts Kreisdechant Dr. Jochen Reidegeld weiß aus seinen vielen Kontakten, wie dramatisch die Situation der Menschen in den syrischen Flüchtlingslagern ist. In letzter Minute hat sich der UN-Sicherheitsrat am 9. Juli verständigt, den türkisch-syrischen Grenzübergang offenzulassen, über den Hilfsgüter direkt in den Norden des Bürgerkriegslandes gebracht werden können: „Damit ist das Schlimmste abgewendet“, erklärt Reidegeld. Allerdings reiche ein Grenzübergang für die Versorgung der Menschen nicht aus.

Den kriegerischen Parteien gehe es nur um die eigene Macht, sagt Reidegeld, die Menschen habe niemand im Blick. Als Druckmittel würden der Zufluss von Wasser und auch die Vergabe von Impfstoff gegen Covid-19 eingesetzt. Vor allem das Verhalten Russlands sei „unverantwortlich“, betonte der Pfarrer, der selbst mehrmals für Hilfsprojekte der „Aktion Hoffnungsschimmer“ in Syrien und dem Irak war. Russland gehe es um eine Absicherung der Macht des syrischen Präsidenten Assad.

Schlimmer als die zerstörten Häuser und Gebäude der syrischen Bevölkerung sei die „innere Zerstörung“, erklärt Reidegeld: „Die Menschen leben in einer absoluten Perspektivlosigkeit.“ Das habe eine hohe Selbstmordrate in den Flüchtlingslagern zur Folge. „Es gibt keine Hoffnung auf Frieden“, beschreibt der Pfarrer den seelischen Zustand der Menschen. Mit großer Sorge beobachtet er, dass das Assad-Regime die totale Kontrolle im Land übernimmt. Folter und Verschleppungen seien an der Tagesordnung – und auch Kreuzigungen. „Die Grausamkeiten kennen keine Grenzen“, fehlen Reidegeld fast die Worte.

Selbst wenn junge Syrer einen Weg beispielsweise nach Deutschland fänden, seien sie lebenslang traumatisiert, weiß der Kreisdechant aus vielen Gesprächen mit Geflüchteten. Eine politische Lösung für die Auseinandersetzungen in Syrien sei schwierig. Zu unterschiedlich seien die Machtinteressen.

Aus Reidegelds Sicht mangelt es an großen Schutzmächten, die dies forcieren könnten: „Wirtschaftliche Interessen haben Vorrang vor den Menschenrechten.“ Zudem sei man sich international zu uneins. Er wünsche sich, dass die europäischen Länder den Aggressoren in der Welt vehementer entgegentreten. „Es muss endlich etwas passieren“, fordert der Pfarrer damit auch die deutsche Bundesregierung auf, mutiger zu sein und Europa zu mehr politischem Gewicht zu verhelfen.


Text: Bischöfl. Pressestelle
15.07.2021

Matomo