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Papst-Johannes-XXIII.-Preis

Der Verein „Aktion Würde und Gerechtigkeit“ aus Lengerich ist für sein Engagement für Arbeitsmigranten aus Süd- und Osteuropa mit dem Papst-Johannes-XXIII.-Preis ausgezeichnet worden.

Pfarrer Peter Kossen (Mitte) und Herman Lütkeschümer (links) nahmen den Papst-Johannes-XXIII.-Preis aus den Händen der Pax-Christi-Diözesanvorsitzenden Maria Buchwitz entgegen.

Der Verein „Aktion Würde und Gerechtigkeit“ aus Lengerich, dem Pfarrer Peter Kossen vorsitzt, ist am 25. September in der Aula der Katholischen Studierenden- und Hochschulgemeinde (KSHG) in Münster mit dem Papst-Johannes-XXIII.-Preis ausgezeichnet worden. Der noch junge Verein, gegründet im Januar 2019, setzt sich für Arbeitsmigrantinnen- und migranten aus Ost- und Südosteuropa ein und arbeitet daran, die oft prekären Lebens- und Arbeitsbedingungen aufzudecken und zu verbessern. Zum sechsten Mal vergab der Diözesanverband Pax Christi den Preis, der Menschen und Gruppen im Bistum Münster würdigt, die sich im Sinn des Konzilspapstes Johannes XXIII. für Gerechtigkeit, Frieden und die Bewahrung der Schöpfung einsetzen.

„Wir würdigen heute ein entschiedenes Engagement gegen organisierte Verantwortungslosigkeit“, betonte Klaus Hagedorn aus Oldenburg, ehemaliger Leiter des katholischen Forums St. Peter, in seiner Laudatio. Der Verein mit derzeit 235 Mitgliedern setze sich ein für „gutes Leben“, das meine, „dass Menschen nicht getötet werden, nicht vertrieben, ausgebeutet, nicht unterdrückt, verachtet, nicht diskriminiert oder entrechtet werden“. Seit den Corona-Ausbrüchen in der Fleischindustrie seien viele Menschen für die Lebensbedingungen der osteuropäischen Arbeiter sensibilisiert, „sie nehmen wahr, dass hier moderne Formen der Sklaverei in einem Rechtsstaat betrieben werden“, verdeutlichte Hagedorn.

Zwölf-Stunden-Schichten, unbezahlte Überstunden, Sechs- bis Sieben-Tage-Wochen, Bezahlung unter dem Mindestlohn, fristlose Kündigung von Arbeiterinnen bei Schwangerschaften, kein Krankenversicherungsschutz: Aus Sicht von Hagedorn sind das Umstände, die Teilhabe und Teilnahme am gesellschaftlichen Leben nahezu unmöglich machen. „Sie werden behandelt als Ware, als Menschen zweiter Klasse“, betonte der Laudator. Die „Aktion Würde und Gerechtigkeit“ spreche dabei von „Wegwerf-Menschen-Mentalität“. Kapitalismus vor der eigenen Haustür: „Diese Seite, von der wir durch billige Fleischpreise profitieren, kommt uns unangenehm nahe“, führte Hagedorn vor Augen.

Zwei festangestellte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nehmen im Lengericher Büro des Vereins Anrufe und Beratungsanfragen entgegen. Seit kurzem unterstützt das Land NRW die Arbeit mit der zweijährigen Finanzierung einer halben Juristenstelle. Die Bandbreite der Anfragen ist groß: Fragen des Arbeitsrechts, falsche Lohnberechnungen, nicht geltend zu machende Urlaubsansprüche, Wohnungsfragen: „Die Erfahrung ist, dass all dies seitens der Fleischindustrie ‚versucht‘ wird, weil davon ausgegangen wird, dass sich die Arbeitsmigrantinnen und -migranten nicht dagegen auflehnen“, erklärte der Laudator. Arbeitsrechtlich ließen sich die Anfragen leicht klären, „immer dann, wenn anwaltliche Vertretung dabei ist.“ „Dass die ‚Aktion Würde und Gerechtigkeit‘ einen wichtigen Kampf kämpft, an der Veränderung von ungerechten und ausbeuterischen Arbeitsstrukturen arbeitet – gegen viele Widerstände –, dass sie sich auf die Seite der osteuropäischen Mitbürger stellt, ihnen zur Ermächtigung hilft: das alles soll mit der Verleihung des Johannes-XXIII.-Preises gewürdigt werden“, schloss Hagedorn.

Aus den Händen der Diözesanvorsitzenden Maria Buchwitz und Vorstandsmitglied Johannes Gertz nahmen Kossen und sein Team die Bronzebüste des Papstes und eine Urkunde entgegen. „Diese Auszeichnung tut uns gut und ermutigt uns, unsere Arbeit in dieser Weise fortzuführen“, erklärte Pfarrer Kossen in seinen Dankesworten und verdeutlichte: „Die Empörung treibt uns an, die Solidarität leitet uns.“

Auf das neue Arbeitsschutzkontrollgesetz in der Fleischindustrie blickten in einer anschließenden Gesprächsrunde Matthias Brümmer, Geschäftsführer bei der Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten in der Region Oldenburg/Ostfriesland, Daniela Reim, Beraterin in der Beratungsstelle Oldenburg für Mobile Beschäftigte, und Regine Kretschmer, Referentin für ländliche Entwicklung in der Lateinamerika-Abteilung des Hilfswerks Misereor.


Text/Foto: Bischöfl. Pressestelle
26.09.2021

Matomo