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Priesterweihe an Pfingsten

Tobias Eilert aus Ochtrup und Matthias Fraune aus Laer werden am Pfingstsonntag von Bischof Dr. Felix Genn im St.-Paulus-Dom in Münster zu Priestern geweiht.

Tobias Eiltert (li.) und Matthias Fraune empfangen am Pfingstsonntag im St.-Paulus-Dom zu Münster die Priesterweihe.

Tobias Eilert aus Ochtrup und Matthias Fraune aus Laer werden am Pfingstsonntag um 14:30 Uhr von Bischof Dr. Felix Genn im St.-Paulus-Dom in Münster zu Priestern geweiht. Die Weiheliturgie wird auch im Internet unter www.bistum-muenster.de gestreamt.


Tobias Eilert: „Mir macht es Freude, Menschen zu begleiten“

Den Sommer in Madrid 2011 wird Tobias Eilert nie vergessen. Der Weltjugendtag, der damals in der spanischen Hauptstadt stattfand, hat dem jungen Mann aus Ochtrup noch einmal bewusst gemacht, wie viel ihm sein Glaube und die Gemeinschaft mit Gleichgesinnten bedeuten. Nach dem Weltjugendtag 2013 in Rio de Janeiro war für den 27-Jährigen endgültig klar, mit dem Theologie-Studium in Münster soll es nach dem Abitur weitergehen. Dazu zog Tobias Eilert ins Priesterseminar. Zusammen mit zwei weiteren Männern aus dem Bistum Münster wird er Pfingstsonntag, 5. Juni, von Bischof Dr. Felix Genn im münsterischen St.-Paulus-Dom zum Priester geweiht. 

Tobias Eilert ist „gut katholisch“ aufgewachsen. „Ich war in meiner Heimatpfarrei St. Lambertus Messdiener, Lektor, nach der Firmung auch in der Leiterrunde“, erinnert er sich an viele positive Glaubenserfahrungen, die ihn bis heute tragen. Schon in der Oberstufe konnte er sich vorstellen, Priester zu werden.

Nach dem Abitur entschied sich der Ochtruper aber dann doch erst einmal dazu, ein Freiwilliges Soziales Jahr in einer Kindertagesstätte zu machen, bevor wieder Theoretisches gelernt werden musste. Mit dem Abschluss in der Tasche startete er ins Praxisjahr in Oelde. In die Pfarrei St. Johannes kehrte er auch als Diakon zurück. Zurzeit bereitet er sich am Domplatz auf die Priesterweihe vor. 

Tobias Eilert ist es immer wichtig gewesen, private Kontakte und Freundschaften zu pflegen. Besonders zu seinen Feuerwehrkameradinnen und -kameraden. Während seines Diakonates waren es die der Oelder Wehr. Wohin ihn seine erste Stelle als Kaplan führen wird, erfährt er nach der Priesterweihe. 

Immer mal wieder musste sich der 27-Jährige für seinen Berufswunsch rechtfertigen. Aber: „Wenn man offen damit umgeht, begegnet einem auch ein großes Interesse“, so seine Erfahrung. Kritik richte sich meist nicht gegen Personen, sondern gegen die Institution Kirche. Einiges an dieser Institution schmerze ihn selbst auch, gesteht Tobias Eilert: „Und darüber müssen wir immer ins Gespräch kommen.“ Der künftige Priester ist überzeugt, dass sich in der katholischen Kirche Dinge ändern werden, weil sie sich ändern müssen. 

Den Menschen die gute Botschaft des Evangeliums näher zu bringen, darin sieht Eilert seinen Dienst und seinen Auftrag. Das Jahr als Diakon hat ihn weiter bestärkt: „Mir macht es Freude, Menschen an wesentlichen Punkten ihres Lebens zu begleiten.“ In der Trauer, aber auch bei Hochzeiten, Taufen und anderen Ereignissen. Sein Lieblingsbibelvers, der auch sein Primizspruch ist und im Galaterbrief steht, fasst es für ihn gut zusammen: „Nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir.“

Nach der Weihe am Pfingstsonntag im Dom feiert der Neupriester seine Primiz, also seinen ersten Gottesdienst, tags drauf, am 6. Juni, um 10 Uhr in der St.-Marien-Kirche in Ochtrup. Dazu sind alle willkommen, die dabei sein möchten.


Matthias Fraune: „Gewalt ist Verrat an Gott und den Menschen“

Wenn das Wetter passte, hat sich Matthias Fraune im vergangenen Sommer auf den Weg gemacht: „Meine Idee: ,Seelsorge im Park‘.“ So ist er mit Menschen ins Gespräch gekommen, die er als Diakon der Propsteigemeinde St. Remigius sonst wahrscheinlich weniger getroffen hätte: „Ich wollte zeigen, dass wir als katholische Kirche offen und Wegbegleiter für alle sind.“ Seine Zeit in Borken unterbricht der Laerer gerade, um sich in Münster auf den nächsten Schritt an Pfingsten vorzubereiten. Zusammen mit zwei weiteren Männern aus dem Bistum Münster wird Fraune am Sonntag, 5. Juni, von Bischof Dr. Felix Genn im St.-Paulus-Dom zum Priester geweiht. Anschließend wird er als Neupriester zurückkehren und in Borken den Titel Kanonikus tragen.

Mit seinen 56 Jahren ist der Laerer der älteste im Trio der Priesteramtskandidaten. Dafür bringt er einiges an Lebenserfahrung mit. Seitdem er 13 Jahre alt ist, sitzt Matthias Fraune im Rollstuhl: „Als Folge einer übermäßigen Gewebebildung nach einer Operation“, nennt er den Grund für seine Lähmung. Zwei Jahre konnte er damals nicht zur Schule gehen. Zu Hause hat er weitergelernt, um – als es gesundheitlich bei ihm wieder ging – weiter das Gymnasium in Borghorst zu besuchen.

Allerdings nur kurz. Weil das Schulgebäude nicht behindertengerecht war, musste er auf die Laerer Hauptschule wechseln, die er schließlich mit dem Realschulabschluss in der Tasche verließ. Es folgte die nächste Ernüchterung: „Ich fand keinen Ausbildungsplatz – und war ein Jahr arbeitslos.“ Eine Lehre zum Bürogehilfen bei der Gemeindeverwaltung in Laer konnte er anschließend nicht beenden: „Wegen meiner Krampfanfälle war es mir unmöglich, die Abschlussprüfung in Stenografie zu bestehen.“ Zweiter Anlauf: Die Ausbildung zum Verwaltungsfachangestellten schloss Matthias Fraune erfolgreich ab – und blieb danach bis zum November 2016 im Laerer Rathaus. Insgesamt 32 Jahre.

Während dieser Zeit hat ihn der Gedanke, Priester zu werden, nie wirklich losgelassen: „Freunde haben mich darin immer wieder bestärkt, indem sie gesagt haben: Da brennt doch etwas in Dir... Du musst damit noch mal los!“ – Bei einer Romfahrt 2012 erzählte er dem heutigen Generalvikar Dr. Klaus Winterkamp von seinem Wunsch. Dieser machte ihm Mut. 2016 fasste er sich ein Herz und nahm Kontakt mit Winterkamp auf, der wiederum vermittelte ihm den Kontakt zum Leiter des Priesterseminares. Vier Tage nach seinem 50. Geburtstag klingelte das Telefon. Am anderen Ende der Leiter des Seminares mit einer klaren Aussage: „Kümmern Sie sich um einen Aufhebungsvertrag mit ihrem jetzigen Arbeitgeber. Wir nehmen Sie!“
Matthias Fraune zog an den Domplatz in Münster. Wenig später startete er mit dem Theologiestudium im Würzburger Fernkurs. Da sich der Laerer in den zurückliegenden 30 Jahren schon selbst in theologischem Wissen fortgebildet hatte, wurde ihm dies angerechnet. Parallel nahm er an einer Ausbildung zum Krankenhausseelsorger teil. 

Dass er als künftiger Priester im Rollstuhl sitzt, sieht Matthias Fraune auch als sichtbares Zeichen für den Dienst an den Kranken und Armen. Ihm ist wichtig zu vermitteln, dass es keine Menschen zweiter Klasse gibt: „Jeder ist so, wie er ist, von Gott geliebt.“ Ausgrenzungen verurteilt der Weihekandidat genauso wie die Verbrechen des sexualisierten Missbrauchs: „Jede Form von Gewalt ist Verrat an Gott und den Menschen.“ 
Die Mitte seines Dienstes bringt er so ins Wort: „Jesus Christus und sein Leben möchte ich verkündigen als aufrichtige Perspektive über alles Irdische hinaus – eine Einladung des Gottessohnes und Menschensohnes nicht nur, aber vor allem für die Menschen, die auf der Schattenseite des Lebens stehen – egal, warum. Denn besonders für sie im umfassenden Sinn gilt die Einladung Christi in das Reich Gottes.“ Dass die gegenwärtige Situation in der Kirche das nicht immer abbildet, ist für ihn Herausforderung, durch sein Tun daran etwas zu ändern.

Nach der Weihe am Pfingstsonntag im Dom feiert Fraune seine Primiz, also seinen ersten Gottesdienst, am 12. Juni um 10.30 Uhr in seiner Heimatpfarrei Heilige Brüder Ewaldi in Laer. Dazu sind alle willkommen, die dabei sein möchten: „Ich würde mich sehr freuen, wenn ich an dieser entscheidenden Wegmarke möglichst viele Menschen aus meiner Heimat und meinen Wirkungsstätten an meiner Seite hätte.“ Im Anschluss an die Primizfeier gibt es einen Empfang.


Text/Fotos: Bischöfl. Pressestelle
31.05.2022

Matomo