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Veränderungen notwendig

"Wohin geht die katholische Kirche?" Zu dieser Frage äußerte sich Kreisdechant Dr. Jochen Reidegeld bei einem Gesprächsabend im Rahmen der Kampagne #lassunsreden in Mettingen.

Wenn sich nicht bald einiges ändert, werden viele Gläubige enttäuscht sein und den Mut verlieren. Davon ist Kreisdechant Dr. Jochen Reidegeld überzeugt. Die Konsequenz: Immer mehr Mitglieder aus der Mitte der Gemeinden treten aus. „Wohin geht die katholische Kirche?“ Diese Frage stand im Mittelpunkt eines Diskussionsabends, zu dem die Mettinger Pfarrei St. Agatha den Kreisdechanten eingeladen hatte. Dabei ging es vorrangig um die Themen, um die auch im seit 2021 laufenden Gesprächs- und Reformprozess, dem sogenannten Synodalen Weg, von Bischöfen und Laienvertretern gerungen wird: Segnung gleichgeschlechtlicher Paare, sexueller Missbrauch, Diakonat der Frau.

Ein radikaler Weg der Umkehr und Erneuerung sei notwendig, fasste Reidegeld seine Position zusammen. Dass Ehe und Familie als Lebensformen zu schützen seien, stehe außer Frage, so der Kreisdechant: „Aber warum sollen wir nicht gleichzeitig auch andere Lebensformen akzeptieren?“

Bei der Vertuschung sexuellen Missbrauchs an Kindern und Jugendlichen sei vielfach das Ansehen der Institution Kirche wichtiger gewesen als das Leid der Betroffenen. Wer für ein solches Verbrechen nicht sensibilisiert sei, habe das Vertrauen anderer nicht verdient, erklärte Reidegeld. Vertrauen wieder zurückzugewinnen, sei ein langer Weg und setze Veränderungen voraus: „Doch bislang erleben die Menschen nicht, dass die Strukturen, die den Missbrauch möglich gemacht haben, modifiziert werden.“

In den Foren des Synodalen Weges treffen die unterschiedlichen Sichtweisen mit voller Wucht aufeinander, betonte Moderator Winfried Vonstein. Kreisdechant Reidegeld zeigte sich aus diesem Grund eher skeptisch, dass die Wünsche und Erwartungen vieler Katholiken an diesen Reformprozess am Ende erfüllt würden.

„Die Lebenswirklichkeit der Menschen und die kirchliche Lehre klaffen in vielen Bereichen und bei vielen Themen so weit auseinander, dass viele Engagierte die Kirche enttäuscht verlassen“, sagte Reidegeld mit Blick auf die Kirchenaustritte. Dass darunter auch einige der Initiatorinnen der Reformbewegung „Maria 2.0“ sind, verdeutliche die Dramatik der Situation: „Mit ihnen kehren die Treuesten der Treuen der Kirche den Rücken zu, diejenigen, denen die Kirche so wichtig ist, dass sie etwas verändern wollten.“ Wenn der Synodale Weg scheitere, schreibe sich die Kirche ihr Urteil selbst, befürchtet der Kreisdechant.

Auch er selbst verliere bei einigen Themen die Geduld, gestand Reidegeld. Es gebe aus seiner Sicht beispielsweise kein theologisches Argument dafür, dass Frauen nicht geweiht werden könnten, so der Kirchenrechtler.

Bei aller Notwendigkeit von Reformen, betonte der Kreisdechant, dürfe aber die christliche Botschaft nicht aus dem Blick geraten. Diese werde an vielen Stellen in den Pfarreien glaubhaft gelebt – beispielsweise in der Hospizarbeit, dem Einsatz für Geflüchtete, durch die Besuchsdienste. Dieses Engagement müsse sichtbarer gemacht werden. „Wir glauben an eine bessere Welt, für die wir uns ganz konkret einsetzen können“, machte Reidegeld den Katholiken in Mettingen und anderen Pfarreien Mut, vor Ort Veränderungen zu wagen.


Text/Foto: Bischöfl. Pressestelle
07.11.2021
 

Weitere Informationen zur Kampagne #lassunsreden

Matomo