Integration als zentrale Aufgabe

Pfarrer Peter Kossen aus Lengerich sprach sich bei den Festgottesdiensten zum Hochfest Mariä Himmelfahrt in Warendorf für mehr gesellschaftliche und kirchliche Verantwortung aus.

„Wie verlogen ist es, wenn die deutsche Gesellschaft in vielen Dienstleistungen Drecks- und Schwerstarbeit von Migranten gern und selbstverständlich annimmt und dann den gleichen Menschen mangelnde Integration vorwirft!“ Mit deutlichen Worten hat Prälat Peter Kossen bei den Festgottesdiensten zu Mariä Himmelfahrt in der St.-Laurentius-Kirche in Warendorf die Arbeits- und Lebensbedingungen vieler Migrantinnen und Migranten kritisiert. Besonders die Fleischindustrie, aber auch Paketdienste, Pflege, Gastronomie, Bau und andere Branchen seien auf die Arbeitskraft von Menschen aus dem Ausland angewiesen.

Kossen, Pfarrer der Pfarrei Seliger Niels Stensen in Lengerich und seit vielen Jahren im Einsatz für die Rechte von Arbeitsmigranten, verwies auf seine Erfahrungen mit Beschäftigten in der Fleischindustrie: „Aus der Arbeit mit den modernen Sklaven der Fleischindustrie weiß ich, dass, wer sechs Tage in der Woche und elf Stunden am Tag schuftet, danach kein Deutsch mehr lernt.“

Der Sozialpfarrer warnte davor, Migranten zum Sündenbock für gesellschaftliche Probleme zu machen. „Misstrauen und Diskriminierung sind häufig die Folge. Weltoffenheit und Differenzierung sind aber viel besser begründet als Ausgrenzung und Abschottung“, sagte er. Die entscheidende Frage sei nicht, ob Deutschland Migration wolle, sondern: „ob wir sie gestalten wollen“. Integration sei dabei eine zentrale gesellschaftliche Aufgabe und eine Kernkompetenz der Kirche.

Kossen sieht auch die Gemeinden selbst in der Verantwortung. In den Gottesdiensten träfen zunehmend Menschen aus aller Welt aufeinander. „Werden sie angesprochen und mit hineingenommen oder nur mit Stirnrunzeln geduldet?“, fragte er die Gläubigen. Die Gemeinden müssten sich stärker für die Lebensgeschichten der Menschen interessieren und auf sie zugehen. Schon kleine Schritte könnten helfen. Christliche Gemeinschaft müsse größer und vielfältiger gedacht werden: „Wir kommen gar nicht umhin, Familie im Sinne Jesu größer zu denken und bunter als unsere bürgerliche Mitte.“

Auch die Kirche insgesamt müsse sich nach Kossens Worten klar positionieren. Es gehe um „menschenwürdige Lebensbedingungen, um gerechte Löhne und bezahlbare Mieten“. Dafür müsse sie bereit sein, auch anzuecken: „Das bedeutet für die Kirche, sich zu positionieren und zu engagieren, auch um den Preis, dass sie aneckt, Geldgeber verliert und ihre Privilegien aufs Spiel setzt.“

Das Hochfest Mariä Himmelfahrt erinnere daran, dass Glaube nicht losgelöst vom Alltag gedacht werden könne, sagte Kossen. Die Hoffnung auf Gottes Reich müsse zum Einsatz für Frieden, Gerechtigkeit und die Bewahrung der Schöpfung führen. „Eine Kirche, die nicht dient, dient zu nichts“, betonte er. Ihre Aufgabe sei es, denen zu helfen, „die unter die Räder geraten“, und zugleich „die Räder moderner Sklaverei anzuhalten“.


Text: Bischöfl. Pressestelle
Foto: André Auer
18.08.2026