• Kreisdekanat Steinfurt - Ausblick, Weite TB_Ausblick.jpg

    "Der Herr hat uns weiten Raum verschafft."

    Gen 26,22

  • Kreisdekanat Steinfurt - Gertrudenstift TB_Gertrudenstift_Koenig.jpg

    "Kein König trat anders ins Dasein."

    Weish 7,5

  • Kreisdekanat Steinfurt - Saline TB_Saline.jpg

    "Ihr seid das Salz der Erde."

    Mt 5,13

Ländliche Familienberatung

Die Ländliche Familienberatung mit Sitz in Hörstel hat den 3. Platz beim Ehrenamtspreis des Bistums Münster 2023 gewonnen. Die Ehrenamtlichen beraten Hof-Familien in ihren Sorgen und Nöten.

Irmgard Hüppe und Bernd Bettmann kennen die Sorgen bäuerlicher Familien.

Sattes Grün, malerische Höfe, Familienzusammenhalt – das Bild der Landwirtschaft wird oft idyllisch gezeichnet. Die heile Welt gab es aber längst nicht überall – heute schon gar nicht mehr. Wirtschaftlicher Druck, politische Auflagen und das zunehmend kritische Klima gegenüber der konventionellen Landwirtschaft bedeuten enormen Stress auf den Höfen. Probleme, die es immer schon gab, werden dadurch verstärkt.

„Vor allem sind es Generationenkonflikte“, sagt Irmgard Hüppe aus Hörstel vom Verein Ländliche Familienberatung im Bistum Münster. „Die Frage, wie es mit dem Hof weitergeht, wer ihn künftig wie führen soll, welchen Platz Großeltern, Eltern und Kinder dort haben werden, gibt es fast überall.“ Auch Krankheiten, Partnerschaftsprobleme oder finanzielle Fragen gehören zu den Sorgen, mit denen sich landwirtschaftliche Familien an die Beratung wenden.

Hüppe und ihre 30 ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer erleben oft eine Sprachlosigkeit. „Was sich über viele Jahre aufgeschaukelt hat, aber nie thematisiert wurde, ist in der Notsituation besonders schwer in Worte zu fassen“, sagt die Geschäftsführerin des Vereins.

Nach dem ersten Kontakt meist per Telefon besuchen die Beraterinnen deshalb die Familien nicht nur einmal. Oft zieht sich der Kontakt über einen längeren Zeitraum, bis sich die Betroffenen dem Kern ihrer Probleme nähern können.

„Dabei geht es erst einmal darum, Vertrauen zu gewinnen“, sagt Hüppe. „Um dann heraushören zu können, um was es wirklich geht.“
Sie hat die Erfahrung gemacht, dass der Grund für die aktuellen Sorgen oft viel tiefer liegt, eine längere Geschichte hat. Manchmal seien es Ereignisse, die Jahrzehnte zurückliegen, aber nie bearbeitet wurden. „Sie sind den Betroffenen nicht mehr bewusst, aber sie fühlen sie noch – und das wird irgendwann zur großen Last.“

In dieser Situation braucht es ein besonderes Zuhören. Ein Verständnis für die Hintergründe, Wissen über die Mechanismen und Strukturen einer bäuerlichen Familie. „Unsere Helferinnen haben alle den ‚Stallgeruch‘ – kommen aus der Landwirtschaft“, sagt Bernd Bettmann.
Der erste Vorsitzende des Vereins weiß, dass sich die Familien auf den Bauernhöfen damit besser verstanden fühlen. „Sie brauchen ihre Grundansichten oft gar nicht zu schildern, weil die Beraterinnen so viel Sachverstand mitbringen.“

So können neue Perspektiven leichter gemeinsam erarbeitet werden. Die sehen jedes Mal anders aus, sagt Hüppe: „Wir kommen nicht mit der Lösung auf die Höfe – die müssen die Menschen mit unserer Unterstützung selbst finden.“ Wenn aber der Punkt erreicht wäre, in dem das Problem klar benannt werden könne, sei schon ein großer Schritt in der Aufarbeitung gemacht.


Text/Foto: Michael Bönte (kirche-und-leben.de)
15.09.2023


Weitere Infos unter:  LFB | Ländliche Familienberatung im Bistum Münster e.V. (familienberatung-auf-dem-land.de)