Caritas als verortete und sichtbare Kirche

Wofür brennen Sie? Diese Frage stellten zwei Mitarbeitende des Deutschen Caritasverbandes im Rahmen der deutschlandweiten „Feuer&Flammen-Tour“ in der Stadthalle Rheine. Beantworten durften diese Frage haupt- und ehrenamtlich Mitarbeitende der Caritas Rheine, Mitarbeitende des Caritasverbandes für die Diözese Münster mit ihrem Vorsitzenden Domkapitular Josef Leenders, die Mitglieder des Caritasrates, der Delegiertenversammlung und die Mitglieder der Pastoralkonferenz im Dekanat Rheine.

Hintergrund der Fragestellung war, wie die Caritas Rheine als „sichtbare Kirche“ verortet ist. Wie ist die Haltung der Mitarbeitenden zu den Themen Kirche, Spiritualität und subjektiver Religiosität? Wie bewegen wir uns im Spannungsfeld zwischen institutionellen Entwürfen wie denen der katholischen Kirche und dem subjektiven Suchen nach dem eigenen Glauben, ohne dabei das Gemeinschaftliche und den Auftrag der Caritas als Kirche zu verlieren? Durchaus keine leichte Kost, die den rund hundert Beteiligten hier aufgetischt wurde. Dank der gut strukturierten Moderation der beiden aus Freiburg angereisten Referenten Astrid Schaffert und Kilian Stark konnte die Veranstaltung jedoch schnell auf den Weg gebracht werden, Inhalte zu diskutieren, Fragen zu beantworten und neue zu stellen. Es wurde diskutiert, wo Gemeinsamkeiten bei der Bearbeitung von Projekten mit gesellschaftlicher Relevanz bestimmt werden können. Über unterschiedliche Systemlogiken von Kirchen und Caritas und dem damit verbundenen „Sand im Getriebe“ wurde sich ausgetauscht. Es ging um Fragestellungen zu Religionsverständnis und Spiritualität in der täglichen Arbeit innerhalb der unterschiedlichsten Dienste und Einrichtungen der Caritas.

Caritas-Vorstand Dieter Fühner nahm in seiner Begrüßung Bezug auf das von der Caritas Rheine erstellte Wertepapier „Von Gott für die Menschen in Dienst gestellt. Impulse zur Wertediskussion in der Caritas Rheine“, welches Ende 2018 erschienen ist. In der Einführung des Papiers stellen sich einige Fragen: Dort heißt es zum Beispiel „Was unterscheidet uns als Caritas Rheine? Schaffen wir den Spagat zwischen wirtschaftlichem Arbeiten und christlichen Werten? Wo finden sich die Mitarbeitenden und ratsuchenden Menschen wieder?“ In diesem Papier findet sich ebenfalls an prominenter Stelle in der Einführung der Satz „Caritas ist Kirche“. „Man könnte es ja fast schon als einen Dauerbrenner bezeichnen, wenn es um die Beurteilung der Beziehung zwischen Kirche und Caritas geht. Aber aus unserer Sicht sind genau diese Fragestellungen aktueller denn je“, unterstrich Fühner.

Die anschließende Behandlung der Themen geschah hauptsächlich in Kleingruppen, damit bei der Anzahl der Teilnehmenden Gesprächsfluss entstehen konnte. Innerhalb der Diskussion trafen viele verschiedene Meinungen aufeinander. Größtenteils einig war man sich jedoch unter anderem in dem Punkt, dass die Caritas im Wandel ist. „Ein gutes Beispiel dafür ist die Einstellung neuer Mitarbeitenden“, so Tatjana Isbrecht, Mitarbeiterin der Caritas in Rheine. „Mittlerweile ist es Normalität geworden, dass neue Kollegen eingestellt werden, die unterschiedlichsten Konfessionen und auch Religionen angehören. Wichtig ist der Grundsatz, unsere christlichen Grundwerte zu teilen“.

Zuhören konnte das Plenum dann während einer Interviewrunde mit Maria Waltermann, Sozialarbeiterin und Theologin in der Gemeindecaritas, Michael Wojtulek, Mitarbeiter im Caritas-Marienstift und Pfarrer Meinolf Winzeler von der Pfarrei St. Antonius. Hier stellte Wojtulek deutlich heraus, dass in seiner Arbeit ein christliches Menschenbild und der Auftrag zum Dienst der Nächstenliebe in einer Pflegeeinrichtung durchaus eine Stütze sein kann.

Der Vorsitzende des Caritasverbandes für die Diözese Münster, Domkapitular Josef Leenders, verwies zum Abschluss auf den Strategieprozess „Caritas 2025“ des Diözesancaritasverbandes Münster. In diesem Prozess möchte der Verband in verschiedenen Arbeitsfeldern Ideen entwickeln, wohin es gehen könnte. Auf der Basis der Rückmeldungen eines Fragebogens an Ehrenamtliche und hauptamtliche Mitarbeitende, Nutzer und Klienten ebenso wie Kooperationspartner wurden unter anderem sieben Thesen entwickelt. Eine These beschreibt die „Gemeinsamen Entwicklungspotentiale für Caritas und Pastoral“.

Die Ergebnisse der Arbeit werden im Laufe des Jahres mit den Gedanken von insgesamt 40 Caritas-Ortsverbänden aus ganz Deutschland zusammengelegt und ausgewertet. Die Caritas Rheine konnte jedoch auch schon aus dieser Wertediskussion einen Mehrwert ziehen. Es wurde ebenso deutlich, dass die Caritas mit Selbstvertrauen feststellen kann, dass sie Professionalität in die Dienste der Nächstenliebe einbringen kann, wie man sich einig darüber war, wofür Kirche da ist: Den Menschen zu dienen.


Text/Foto: Caritas Rheine
01.07.2019

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