„Für viele Bereiche ist es fünf nach zwölf“

„Wir müssen zur Kenntnis nehmen, dass es für uns als Kirche in vielen Bereichen nicht fünf vor, sondern fünf nach zwölf ist!“ Die regionalen Zahlen der kirchlichen Jahresstatistik, die das Bistum Münster heute veröffentlicht hat, belegen aus Sicht von Kreisdechant Dr. Jochen Reidegeld, wie dringend Veränderungen in der katholischen Kirche sind.

2.257 Menschen haben 2019 im Kreisdekanat Steinfurt ihren Austritt aus der Kirche erklärt. Das sind 817 mehr als 2018. Laut Statistik lag die Zahl der Katholiken im Kreisdekanat Steinfurt Ende des vergangenen Jahres bei 233.779, das sind 3.881 weniger als 2018. Mit Sorge beobachtet Reidegeld, dass sich viele Menschen in der Kirche nicht mehr beheimatet fühlen: „Dass unter ihnen immer mehr Frauen und Männer sind, die aus der Mitte unserer Gemeinden kommen, die selbst über Jahre engagiert waren, ist für mich ein Alarmzeichen.“

17.147 Katholiken kamen 2019 in den Sonntagsgottesdienst – 474 weniger als im Vorjahr. 1.760 Menschen wurden durch die Taufe in die Kirche aufgenommen – ein Rückgang um 152 im Vergleich zu 2018. Die Zahl der Erstkommunionkinder ist mit 1.966 (2018: 1.959) relativ konstant geblieben. Bei den Firmbewerbern gab es einen leichten Anstieg um 47 auf 1.621 im Jahr 2019. Nur gering zurückgegangen ist die Zahl der kirchlichen Trauungen von 430 in 2018 auf 422 im vergangenen Jahr. Weniger geworden sind auch die Beisetzungen. Waren es 2018 noch 2.696, wurden 2019 nur 2.529 Verstorbene kirchlich bestattet. 19 Personen aus dem Kreisdekanat Steinfurt sind 2019 in die katholische Kirche eingetreten (2018: 14). 34 erklärten ihre Wiederaufnahme nach einem früheren Austritt. 2018 waren es nur 14.

Die Antwort auf diese Entwicklungen kann nach Meinung von Reidegeld nur eine radikale und ehrliche Änderung von Haltung und Strukturen sein „Wenn die Menschen den Eindruck gewinnen, dass der Synodale Weg sich nicht genau darum entschlossen bemüht, werden wir noch ganz andere Zahlen sehen“, befürchtet der Kreisdechant.

Zugleich sieht Reidegeld in dem durch die Corona-Pandemie erzwungenen Stillstand aber auch eine Chance. Auf der Ebene der Pfarreien könne jetzt überlegt werden: „Wollen wir alles wieder so machen wie bisher? Oder wagen wir einen entschlossenen Neuanfang?“ Essens Bischof Franz-Josef Overbeck habe recht, wenn er sagt: Die Botschaft muss nach vorne und die Institution in den Hintergrund treten. „Denn, dass die Botschaft des Evangeliums eine großartige ist, davon bin ich überzeugt“, betont der Kreisdechant, der ebenso davon überzeugt ist, dass diese Botschaft an vielen Stellen in den Pfarreien glaubhaft gelebt wird.

Reidegeld sieht die katholische Kirche vor zwei Herausforderungen stehen: „Wir müssen deutlich machen, dass die Kirche den Menschen dient.“ Und: „Wir dürfen uns nicht nur mit uns selbst beschäftigen, sondern müssen mit den Menschen in unseren Städten und Gemeinden an einer menschlicheren und friedlicheren Gesellschaft mitwirken.“


Text/Foto: Bischöfl. Pressestelle
26.06.2020

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