Mehr Austritte, Taufen und Trauungen im Kreisdekanat Steinfurt

1.440 Menschen haben 2018 im Kreisdekanat Steinfurt die katholische Kirche verlassen. Das sind 426 mehr als 2017. Wie die Bischöfliche Pressestelle heute (19.07.2019) bei der Veröffentlichung der Jahresstatistik weiter mitteilte, sind 2018 im Kreisdekanat Steinfurt 1.912 Menschen durch die Taufe in die Kirche aufgenommen worden – 77 mehr als im Jahr zuvor. Laut Statistik lag die Katholikenzahl im Kreisdekanat Steinfurt Ende des vergangenen Jahres bei 237.660, das sind 2.451 weniger als 2017.

17.621 Katholiken kamen 2018 in den Sonntagsgottesdienst - 3.191 weniger als im Vorjahr. Zurückgegangen ist auch die Zahl der Erstkommunionen (2018: 1.959; 2017: 2.068). Die Zahl der Firmungen sank noch einmal deutlicher um 521 von 2.095 im Jahr 2017 auf 1.574 in 2018. Gestiegen ist hingegen die Zahl der kirchlichen Trauungen von 408 in 2017 auf 430 in 2018. Weniger geworden sind die Beisetzungen. Waren es 2017 2.724, wurden 2018 nur 2.696 Katholiken beerdigt.
14 Personen aus dem Kreisdekanat Steinfurt sind 2018 in die katholische Kirche eingetreten (2017: 27). 52 erklärten ihren Wiedereintritt. 2017 waren es nur 25.

Münsters Bischof Dr. Felix Genn blickt realistisch auf diese Zahlen: „Sie lassen sich nicht schönreden. Die Menschen stimmen mit den Füßen darüber ab, ob sie uns für glaubwürdig und vertrauensvoll halten und ob die Gemeinschaft in der katholischen Kirche ihnen grundsätzlich als notwendig für ein gutes und gelingendes Leben erscheint. Für viele gilt das leider nicht mehr. Wir haben an Relevanz für das Leben der Menschen verloren.

Sicher waren die Ergebnisse der Studie zum sexuellen Missbrauch in der Kirche, die im vergangenen Jahr veröffentlicht wurden, bei vielen Menschen das auslösende Moment, um zu sagen: Jetzt reicht es mir endgültig. Die Verbrechen, die Priester an Kinder und Jugendlichen begangen haben, können wir nicht ungeschehen machen. Wir können nur alles in unserer Macht Stehende tun, um die Vergangenheit schonungslos aufzuarbeiten und um Betroffene erfahren zu lassen, dass sie im Mittelpunkt der Aufarbeitung stehen. Und natürlich müssen wir alles tun, um sexuellen Missbrauch künftig zu verhindern: von Anstrengungen im Bereich der Prävention bis hin zu Änderungen bei den systemischen Faktoren, die sexuellen Missbrauch in der Kirche begünstigen.

Die Austritts-Zahlen zeigen auch: Wenn wir nicht schon sehr bald nur noch eine kleine Minderheit sein wollen, bleiben große Herausforderungen, denen wir uns beherzt stellen wollen. Nicht, um einfach dem Zeitgeist hinterherzulaufen, sondern um Kirche in der Zeit und mit den Menschen zu sein. Wir sollten das tun, nicht um unserer selbst willen, sondern um der Menschen willen, für die und mit denen wir Kirche sind. Die Menschen müssen erfahren können, dass wir dialog- und veränderungsbereit sind, dass wir nicht uns selbst in den Mittelpunkt stellen, sondern dass wir für sie da sein möchten. Wir wollen eine offene, lernfähige und auch demütige Kirche sein. Wir wollen eine Kirche sein, die das Leben bereichert und den Menschen dient. Das muss uns besser gelingen als in der Vergangenheit.“


Text/Foto: Bischöfl. Pressestelle
19.07.2019

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