Mehr Mut zu offenem Dialog und Kritik

Dialog zwischen Gesellschaft und Religionen ist wichtig – und dabei darf auch kritisiert werden. „Rechtspopulisten ersticken aber den Dialog“, stellte der Bundestagsabgeordnete Marc Henrichmann in einem Gespräch mit dem Steinfurter Kreisdechanten Dr. Jochen Reidegeld fest. Der teilte den Eindruck des CDU-Politikers: Viele scheuten sich davor, Probleme zum Beispiel im Islam anzusprechen, weil sie fürchteten, „Wasser auf die Mühlen der Populisten“ zu gießen. Im Sinne der Integration ermunterte der Kreisdechant stattdessen dazu, miteinander zu reden und zuzuhören: „Das bereichert uns kulturell, zeigt aber auch deutlich Unterschiede auf“, betonte er.

Von den Vertretern aller Religionsgemeinschaften in Deutschland erwartet Dr. Reidegeld, dass sie „Partner der Integration“ seien. Und dass Probleme klar benannt werden dürfen: „Nicht jede Rückfrage an Muslime ist Islamophobie“, erklärte er. Zu schnell seien islamische Verbände mit diesem Begriff bei der Hand. Der Kreisdechant sieht in Kritik dagegen „die höchste Form der Wertschätzung“. Aber auch seine Kirche habe in Sachen Toleranz immer noch Nachholbedarf. Zudem fühlten sich Christen, die aus dem Nahen Osten nach Deutschland kommen, oft nicht wirklich in den deutschen Pfarreien wahrgenommen und willkommen.

Hintergrund des Gesprächs war der Bericht der Bundesregierung zur weltweiten Religionsfreiheit, über den der Deutsche Bundestag in der vergangenen Sitzungswoche debattierte. „Der Umgang mit Religionsfreiheit ist ein wichtiger Indikator dafür, wie es um einen Rechtsstaat bestellt ist“, betonte Henrichmann. „Wer die Ausübung der Religion behindert, schränkt auf mittlere Sicht auch andere Grundrechte ein“.

Wie schlecht es in vielen Ländern um die Religionsfreiheit steht ist, weiß Dr. Reidegeld von Reisen nach Syrien und in den Irak. Christen und Jesiden dort seien enttäuscht, dass sich Politik und Kirche nicht entschieden an ihre Seite stellten. „Wir dürfen die Minderheiten nicht vergessen.“ Dr. Reidegeld zeigte sich aufgrund seiner Erfahrungen froh, „in einem modernen, toleranten Land zu leben“. Zu Toleranz, betonte Henrichmann, gehöre auch, „offen zu sagen, wenn etwas hakt“. Sein Wunsch daher: offen diskutieren und im Gespräch bleiben.


Text: Marc Henrichmann, MdB
19.11.2020

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