„Wir dürfen die Lage keinesfalls unterschätzen.“

Die nordrhein-westfälische Landesregierung ermöglicht ab dem 1. Mai wieder Gottesdienste mit Beteiligung von Gläubigen. Der katholische Kreisdechant, Pfarrer Dr. Jochen Reidegeld, freut sich einerseits über die Entscheidung, sieht sich anderseits aber auch in der Verantwortung, für den Schutz der Menschen zu sorgen, die zu den Eucharistiefeiern in die Kirchen kommen werden. „Es gibt kein Richtig und kein Falsch“, benennt er den Zwiespalt im Interview.

Kam das Go für die Feier von Gottesdiensten für Sie am Donnerstagabend überraschend?

Reidegeld: Schon. Ich hatte eher damit gerechnet, dass Messen mit Gläubigen erst wieder ab Mitte Mai möglich sind. Anders als vielleicht andere, habe ich bislang nicht das Gefühl gehabt, dass wir vom Staat in unserer Religionsfreiheit eingeschränkt werden. Vielmehr war die Entscheidung, wie Ministerpräsident Armin Laschet es richtig formuliert hat, ein Konsens, kein Verbot.

Halten Sie die Entscheidung, ab dem 1. Mai wieder mit Gläubigen Messen feiern zu dürfen, für richtig?

Reidegeld: Viele Gläubige haben den Messbesuch in den vergangenen Wochen schmerzlich vermisst. Wir haben in dieser Zeit auf ein Herzstück unseres Gemeindelebens verzichtet. Das allerdings mit gutem Grund. Wir müssen die Menschen vor der Ansteckung mit dem Corona-Virus schützen. Daran wollen wir als Kirchen mitwirken. All das zusammenzubringen, ist nun die Aufgabe, der wir uns mit aller Kraft widmen werden.

Bei allem Handeln gilt außerdem zu bedenken, dass ein Großteil der Gottesdienstbesucher zur Risikogruppe gehört. Ich habe meine Eltern gebeten, weiterhin alternative Angebote der Kirche anzunehmen. Viele Pfarreien streamen seit Beginn der Corona-Pandemie ihre Gottesdienste. Die Resonanz ist enorm. Wir erreichen damit auch Menschen, die sonst nicht zu den sonntäglichen Kirchgängern zählen.

Für die Feier von Gottesdiensten mit Gläubigen ab dem 1. Mai gibt es vom Bistum Münster vorgeschriebene Rahmenbedingungen. Wie lassen sich diese einhalten?

Reidegeld: Gottesdienste sollten in Kirchen stattfinden, in denen ausreichend Platz zwischen den Mitfeiernden garantiert ist. Wie viele Gläubige zugelassen werden, muss jede Pfarrei anhand der Vorgaben des Landes prüfen. Optimal ist es, wenn es mehrere Ein- und Ausgänge gibt, so dass ein Einbahnstraßensystem eingeführt werden kann.

Zusätzlich werden in den meisten Pfarreien ehrenamtliche Ordnungsdienste die Einhaltung der Abstandsregeln sicherstellen. Jeder, der zum Gottesdienst kommt, sollte sich zudem überlegen, wie er andere schützen kann. Das Tragen eines Mundschutzes, auch während der Messe, und das Desinfizieren der Hände ist in dieser Zeit ein Ausdruck von Nächstenliebe.

Zu klären ist noch, wie das Austeilen der Kommunion gelingen kann, ohne einander zu gefährden. Da müssen wir die kommenden Tage nutzen und uns auch unter den Pfarrern im Kreisdekanat gemeinsam Gedanken machen. Als katholische Kirche sind wir immer in engem Kontakt zum Krisenstab des Kreises Steinfurt.

Wie schätzen Sie persönlich die aktuelle Situation ein?

Reidegeld: Wir dürfen die Lage keinesfalls unterschätzen. Nur weil die ersten Maßnahmen Erfolge gezeigt haben und die Infektionszahlen zurückgegangen sind, sollten wir die Beschränkungen nicht zu schnell lockern. Dann, davon bin ich überzeugt, erwartet uns eine zweite Corona-Welle. In meiner Verantwortung als Kreisdechant und Pfarrer plädiere ich dafür, im kirchlichen Bereich lieber eine Maßnahme zu viel um- oder fortzusetzen, als später sagen zu müssen, hätten wir es doch getan, dann wären weniger erkrankt - oder sogar gestorben. Ich persönlich unterstütze die Haltung von Bundeskanzlerin Angela Merkel, die in der Diskussion um Lockerungen in den vergangenen Tagen immer wieder Zurückhaltung und Besonnenheit angemahnt hat. Bei all dem habe ich selbstverständlich im Blick, dass Menschen um ihre Existenzen bangen und die Wirtschaft einen Weg zurückfinden muss.


Interview/Foto:
Bischöfl. Pressestelle
24.04.2020

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