Volles Haus bei Veranstaltung zur Situation von Flüchtlingen

Wie sehr das Schicksal von Flüchtlingen viele Menschen bewegt und oft auch zum Handeln motiviert, ließ sich gestern Abend (18.11.2014) im OT-Heim St. Nikomedes in Steinfurt-Borghorst erleben. Über 130 Interessierte informierten sich dort auf Einladung des Kreiskomitees der Katholiken im Kreisdekanat Steinfurt über die Situation der dortigen Flüchtlinge – und diskutierten ebenso lebhaft wie engagiert.

Das Kreiskomitee um den Vorsitzenden Ansgar Kaul hatte Gäste auf dem Podium versammelt, die unter Moderation von Kreisdechant Markus Dördelmann Interessantes zu sagen hatten. So berichtete Oliver Klöpper, Leiter des Sachgebiets Zuwanderung, Aufenthalt, Integration beim Landkreis Steinfurt, über die Situation im Kreisgebiet. Mit konkreten Zahlen stellte er unter anderem den hier ebenso wie bundesweit rasanten Anstieg der Flüchtlingszahlen dar. Angesichts der Herkunftsländer, zu denen auch von der Bundesregierung so genannte sichere Herkunftsstaaten gehören, betonte Klöpper, dass nicht nur Bürgerkriege Menschen als Flüchtlinge nach Deutschland trieben. Ohne gesetzliche Anpassungen  werde sich wenig ändern.

Manfred Kreisel, Flüchtlingsberater beim Caritasverband Rheine, erläuterte „Bereiche, in denen die Theorie nicht mit der Praxis in Einklang zu bringen ist.“ Beispielhaft nannte er die gesetzliche Vorschrift, beim Stellen eines Asylantrags einen gültigen Pass vorzulegen. Besitze der Flüchtling einen solchen, werde ihm das aber oft zum Nachteil ausgelegt. Die Behörden gingen dann davon aus, dass bei tatsächlicher Verfolgung das Herkunftsland ihm den Pass abgenommen hätte, dass also keine Verfolgung vorliege und kein Asyl zu gewähren sei.

Belastend sei ebenso, dass „Flüchtlinge mit hohen Anerkennungschancen lange auf Bearbeitung ihrer Anträge warten, da die mit geringen Chancen Vorrang haben. In der Zeit haben sie Angst um ihre Familie, die sie noch nicht nachholen dürfen.“ Als weitere Schwierigkeiten nannte Kreisel unter anderem knappen Wohnraum, sprachliche Hürden und geringe Aussichten auf Arbeit. „Nahezu niemand darf zeigen, was er kann, weil die in Deutschland nötigen Voraussetzungen fehlen“, erklärte der Flüchtlingsberater. Ausdrücklich betonte er, „dass alle Flüchtlinge aus für sie subjektiv wichtigen Gründen unter großen Schwierigkeiten fliehen.“

Als dritter Podiumsgast informierte Marlies Isernhinke von der Gemeinnützigen Gesellschaft zur Unterstützung Asylsuchender (GGUA) Münster über deren Arbeit, die gesetzliche Situation sowie über Bedarfe von Flüchtlingen und Ehrenamtlichen. Der Flüchtlingsgipfel in Nordrhein-Westfalen im Oktober habe die Kommunen zwar finanziell entlastet. Sie trügen aber weiter den Großteil der Kosten. „So sind die Integrationskonzepte der Kommunen ausschlaggebend für den Integrationsprozess“, sagte Isernhinke. Abschließend hob sie hervor: „Integration bietet immer die Chance, sich selbst in Frage zu stellen, und das ist letztlich ein Gewinn.“

Nach der Pause setzten die Anwesenden die Diskussion im Plenum fort. Die Beiträge zeigten, wie groß das ehrenamtliche Engagement im Kreis Steinfurt ist. So gibt es in Burgsteinfurt, Metelen und Greven Deutschkurse für Asylsuchende, die Ehrenamtliche ins Leben gerufen haben. Wichtig sei dabei, so Heinz Kues von der Flüchtlingshilfe Greven, die der Pfarrgemeinde St. Martinus entstammt, „möglichst viele von vornherein ins Boot zu holen“. In Greven begleiten darüber hinaus Lernpaten die Teilnehmer des Kurses. Aus Ibbenbüren berichtete Diakon Wilfried van Elten von interreligiösen Treffen als Gelegenheiten zur Begegnung.

Die Teilnehmer äußerten sich durchaus auch politisch. So herrschte Unverständnis darüber, dass sich im Kreis Steinfurt außer der Stadt Rheine alle Kommunen gegen Einrichtung eines kommunalen Integrationszentrums ausgesprochen haben. Dabei würden vom Land fünfeinhalb Personalstellen für die Koordinierung, Beratung und Unterstützung von Regeleinrichtungen in den Kommunen gefördert. Der Kreis beabsichtigt hingegen nur die Einrichtung einer halben Personalstelle zur Koordinierung von Integrationsaufgaben.

Konkret forderten die Teilnehmer das Kreiskomitee der Katholiken auf, vom Kreis nachdrücklich ein kommunales Integrationszentrum und einer höhere Personalausstattung zu fordern. Der Vorsitzende des Kreiskomitees, Ansgar Kaul, versicherte: „Wir bleiben am Ball!“

Abschließend setzte Kreisdechant Markus Dördelmann bewusst „keinen Punkt, sondern einen Gedankenstrich“ – schließlich soll das Thema in Kirche und Gesellschaft präsent bleiben. Genau das habe das Kreiskomitee mit der Veranstaltung beabsichtigt, erklärte Kreisdekanatsgeschäftsführer Matthias Kaiser: „Wir wollten an diesem Abend über die Situation der Flüchtlinge informieren und konkrete Ideen zur Unterstützung austauschen. Die große Beteiligung bestätigt die Aktualität und Wichtigkeit der Flüchtlingsthematik.“


Text/Foto: Bischöfl. Pressestelle
19.11.2014

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